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ZUKUNFT DES ALPENBRAUNBÄREN

Am 10. Juni 2015 greift ein Braunbär 15 km nordöstlich des Gardasees einen Mann an und verletzt diesen mit Bissen und Krallen.

Am 23. September 2014 schlägt ein Braunbär am Schwarzenberg im Salzburger Land einem Almbauern ins Gesicht und zieht sich zurück.

Im September 2013 findet man im Trentino den Kadaver eines männlichen Braunbären. Die abgeschlossene Untersuchung ergibt, dass der Bär in der Schweiz oder in Italien mindestens einmal angeschossen worden ist.

Im Sommer 2013 erscheint der Bärenbericht aus dem Trentino, der eine Zuwanderung nach Bayern 2014 erahnen lässt.

Seit April 2013 ist wieder ein Bär unterwegs, der seit einigen Jahren während der Sommermonate Slowenien, Italien und Österreich durchwandert. Ungestört und ungeschoren.

Leider begründet wird der Braunbär "M13" am Morgen des 19. Februar 2013 im Puschlav erschossen (Quelle: KORA).

Im Februar 2013 unterbricht der als Problembär eingestufte Braunbär "M13" seinen Winterschlaf in Graubünden, begegnet hungrig mehreren Menschen ohne Zwischenfall und lässt sich nur mit großer Mühe von einer Ortschaft im Puschlavtal (Valposchiavo) vertreiben. Nach großem Aufwand der vergangenen Jahre, dieses besenderte Tier nicht zu töten und auch um Informationen über sein Wanderverhalten zu gewinnen, droht dem Bären jetzt die Einstufung als "Risikobär" und damit die legale Tötung (Quelle: Il Bernina).

Bis Dezember 2012 ist auch der Braunbär M13 im Dreiländereck Italien, Schweiz, Österreich unterwegs.

Anfang Juli 2012 trifft der nicht besenderte wandernde Bär in Kärnten auf ungeschützte Schafherden. Vorbereitet sind die zuständigen Stellen nicht.
Der Braunbär M13 aus Italien erhielt einen neuen Sender, da das Ortungssystem nach einem Zusammenstoß mit einer Schweizer Lok ausgefallen war. Zurück in der Schweiz bewegt sich M13, der dort auch "Inspektor Bär" genannt wird, im Münstertal. Dort "verschwand" im Jahr 2005 der Braunbär "Lumpaz" (JJ2), aus dem Wurf wie "Bruno" (JJ1), nach Schafrissen.

Mitte Juni 2012 ist der Braunbär M13 wieder in Italien. Vorher war er in der Schweiz mit einer Lok kollidiert und hatte Polizeibeamte indirekt zu einem Mordopfer in schwierigem Gelände geführt. Zwei andere wandernde Braunbären fielen in Südtirol dem Straßenverkehr zum Opfer. Menschen wurden dabei nicht verletzt. Es entstand jedoch Sachschaden.
Ein weiterer Bär aus dem Süden ist noch auf Wanderschaft Richtung Norden.

Im April 2012 sind drei Braunbären nordwärts auf Wanderschaft, deren Wege auf uralten Pfaden auch nach Oberbayern führen könnten.
Ein nicht scheuer, nicht ängstlicher Bär (M13) erhielt kürzlich wieder einen Sender. Der Bär kann zwar nicht direkt anrufen wenn er Hunger hat, er will auch nicht wie viele Menschen Belangloses per Mobilfunk von beliebigem Ort und zu jeder Zeit mitteilen, doch dokumentiert sein Sender sinnvoll Wanderkorridore über Pässe und Jöcher der Alpen, die seit Jahrtausenden von Mensch und Tier begangen werden. Mit der Überwachung dieses großen Wildtieres soll auch seine Annäherung an menschliche Siedlungen verhindert werden, indem man den Bären gegebenenfalls maßvoll und professionell von dort vertreibt.

Im Sommer 2009 ist die österreichische Braunbärenpopulation nach einem guten Jahrzehnt wieder am Ende. Manch skeptischer Schafhalter oder Bienenzüchter wird erleichtert sein. Von ehemals ca. 24 Bären können derzeit noch zwei heimliche Männchen nachgewiesen werden. Sichere Belege in Form von Spuren, Haaren, Rissen oder Kot fehlen großräumig. Verhungert sind die vermissten Tiere nicht. Ob einige Abschüsse auf Verwechslung mit starken Wildschweinen beruhen – bei schlechten Lichtverhältnissen während Nachtjagd durch tiefen Junimond – oder absichtlich erfolg(t)en, können nur die betreffenden Jäger beantworten.
Im benachbarten Bayern vermisse ich den offiziellen Hinweis auf die große Verwechslungsgefahr aus dem Hause von MdL Helmut Brunner, Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, wenn die Bejagung von Wildschweinen 2010 und in den Folgejahren forciert wird. Braunbären aus Italien und Slowenien laufen bekanntermaßen sehr weit.

Braunbär oder Wildschwein?

Die Tötung eines ausgestopft sichergestellten, zum Tötungszeitpunkt noch gesäugten, sehr jungen Bären und die kürzlich nachgewiesene Erschießung und Häutung eines besenderten, nicht scheuen, tagaktiven, männlichen Bären in Kärnten erfolgten vorsätzlich. (Ergänzung: Als Täter, der den nicht scheuen, tagaktiven Braunbären erschossen und gehäutet hat, wurde ein einheimischer Jäger ausfindig gemacht. Ein Gericht hielt im Januar 2012 die Beweislage für eine Verurteilung trotz nachgewiesener falscher Angaben für nicht ausreichend.) Die Beweggründe können als Verdienstsicherung oder als Herrschaftsanspruch finanziell Verwöhnter verstanden werden. Sicher ist, dass der WWF mit Auswilderungen in Österreich zum jetzigen Zeitpunkt weitere exklusive Bärenjagden ohne Fernreise ermöglicht.

ERSCHIESSUNG JJ1 UND JJ3

Die Erschießung der Braunbären JJ1 ("Bruno") im Juni 2006 und JJ3 im April 2008 nach seiner Winterruhe verdeutlichen den Umgang mit europäischen Bären seit Jahrhunderten. Der Braunbär JJ2 ("Lumpaz") aus demselben Wurf wie "Bruno" gilt seit Herbst 2005 in der Schweiz als verschollen. Auch dieser Bär zeigte gegenüber dem Menschen keinerlei Aggression und keine Scheu.
Die öffentlich ernsthaft vertretene Aussage des 2006 zum Bärenexperten erklärten bayerischen Wildtier-Managers Manfred Wölfl "Ein Bär der sich aufrichtet ist aggressiv!", die den Abschuss des Bären JJ1 rechtfertigen sollte, schadet dem rationalen durch Größe und Wildheit des Braunbären notwendigerweise respektvollen Umgang mit dieser Art in den Alpen. Laut Anmerkung des Richters in der mündlichen Verhandlung zur Klärung der Zulässigkeit der Klage des Anwalts Rudolf Riechwald im Mai 2007 gegen die Allgemeinverfügung, die zum Abschuss führte, "könnte die Maßnahme rechtswidrig gewesen sein. Der Bär ist jedoch tot." Zukünftige Fälle müssen gesondert beurteilt werden. Weshalb in Italien die Gehegehaltung des wieder eingefangenen Muttertiers "Jurka" möglich und moralisch vertretbar ist, jedoch in Oberbayern und in Graubünden trotz vorliegender Angebote zur Gehegehaltung die Erschießung ihrer Jungtiere laut Behörden "aus tierethischen Gründen" praktiziert wird, bleibt zu klären. (Ergänzung September 2010: Die Bärin "Jurka" wurde in den Schwarzwald-Bärenpark im Wolfstal bei Bad Rippoldsau-Schapach umgesiedelt und kann dort beobachtet werden.) Anmerkung zu Mitte Juni 2008 im Lago di Molveno/Brenta, Trentino ertränkten jungen Braunbären: es ist für diese Art "Experten" anscheinend nicht vorhersehbar, dass ein beschossener Bär flieht und ein injiziertes Betäubungsmittel betäubt.
Es geht auch anders. Florida, Juni 2008: Der Ranger Adam Warwick beschießt einen Baribal mit einem Betäubungspfeil. Der Schwarzbär flüchtet ebenfalls ins Wasser um sich schwimmend in Sicherheit zu bringen oder auch weil im Uferbereich bedingt durch die Größe eines Bären ein Vorteil gegenüber angreifenden Wölfen oder Menschen ohne Distanzwaffe bestand. Der Wildhüter erkannte, dass das Betäubungsmittel wirkte und der Bär in Kürze ertrinken würde. Folglich schwamm Warwick auf das ca. 150 kg schwere Tier zu und schleppte es im Rettungsgriff an Land. Eine in vielerlei Hinsicht gewagte Aktion mit gutem Ausgang für alle Beteiligten.

Prof. Stephen Herrero, Calgary schreibt in seinem Klassiker "Bear Attacks, Their Causes and Avoidance" (= Bärenangriffe, Ihre Ursachen und Vermeidung) hauptsächlich über den Umgang mit aggressiveren, nordamerikanischen Grizzlies. Für Wanderer und Kanuten in Nordamerika sehr zu empfehlen. Stephen Herrero studierte bereits 1971 auch die Braunbären in den Abruzzen, Italien, wo die Bären laut seiner Aussage "gegenüber dem Menschen keinen einzigen aggressiven Knochen im Leib haben":
"Der Europäische Braunbär sieht zwar aus wie ein kleiner Grizzly, doch haben Jahrtausende isoliert in verschiedenen Lebensräumen und mit unterschiedlichen 'Ausleseverfahren' einen völlig anderen Bären geschaffen." Die 'Auslese' durch den Menschen wird mit den aktuellen Erschießungen der JJs aus dem Trentino fortgesetzt.
Zitat S. Herrero: "In Europa haben Braunbären viele Jahrhunderte in großer Zahl neben dem Menschen gelebt (siehe auch Ortsbezeichnungen unter "Bärenplätze"). Die Bären wurden aus den meisten ihrer Lebensräume verdrängt und dort wo Restbestände überlebt haben, vermeiden sie die Begegnung mit Menschen."
Der Bär, der die menschliche Nähe meidet ist der "Erfolgstyp" der Zukunft. Falls es eine Zukunft für den Alpenbraunbären gibt. Auch der Bestand der wichtigen stützenden slowenischen Population wird durch weitere Erschließung und verstärkte Vermarktung der dort derzeit noch vorhandenen Wildnis sowie damit verbundener legalisierter Abschüsse vieler Braunbären jährlich weiter verringert.
In Rumänien gibt es regelmäßig Angriffe auf Menschen. Verursacht durch Müllbären und durch jahrelang direkt gefütterte, massige Braunbären in großer Zahl, um zahlungskräftige Jagdreisende auch auf diesem Gebiet befriedigen zu können. Armut zwingt zu Ideenreichtum. Die bäuerlichen Rumänen habe ich herzlich erlebt.

Besonders die Erbeutung von Schafen erschwert derzeit die Rückkehr von Braunbär, Wolf und Luchs in traditionellen Schafzuchtgebieten der Alpen, trotz immensem Nahrungsmittelüberschuss in diesen Ländern. Dauerhaften, gedanken- und handlungsbestimmenden Hunger können in meiner Generation derzeit nur wenige Menschen nachempfinden. Es muss dann schon eine körperlich und geistig belastende Extremsituation, beispielsweise durch einen längeren Abstieg von einem größeren Berg in einer abgelegenen Region, eintreten. Ein Bekannter berichtete von eigener, raubtierartiger "Erbeutung" der einzigen Ziege eines Himalaya-Bergbauern. Selbstverständlich wurde die Ziege damals ersetzt, doch blieb nicht nur beim Bergbauern der Schrecken über durch Hunger ausgelöstes, unkontrolliertes Verhalten zurück.
Zum Verlust bei der Erbeutung eines Weidetieres im Alpenraum durch ein großes Wildtier, der finanziell ausgeglichen werden kann und auch wird, kommt eine leider kaum ausgleichbare emotionale Belastung hinzu. Karola Wendschuh, Leiterin des Wildparks Hundshaupten, erklärte mir am Beispiel eines Lamms, dessen Muttertier altersbedingt zu wenig Milch für beide Lämmer gab, wie zeitintensiv und doch erfreulich eine geglückte Handaufzucht ist.
Nicht jeder Schafhalter im Alpenraum kann oder will sich den Aufwand eines Elektrozaunes oder eines Herdenschutzhundes leisten, um sich gegen hungrige Wildtiere zu wappnen. Vergessen wir nicht, dass der Mensch das Schaf seit ca. 7.000 Jahren zu einem "duldsamen" Wesen züchtet. Wer den Unterschied zwischen einem heutigen Schaf und der Wildform selbst beurteilen möchte, versuche doch sich draußen an das bejagte Wildschaf Mufflon anzuschleichen. Salopp ausgedrückt heißt das, dass die Erbeutung eines Schafes in derzeitiger Haltung oder in menschlicher Nähe für einen nicht scheuen Bären, Wolf oder Luchs ebenso verlockend und einfach ist wie für uns das Durchprobieren von Köstlichkeiten, würde man uns über mehrere Tage bei Feinkost Dallmayr in München einsperren.

 

Michel Gengler

 
 

 
 


 


Selbst pflichtbewusste Herdenschutzhunde vernachlässigen ihre Aufgabe wenn es außergewöhnliche Köstlichkeiten zu erbeuten gilt. Hier: Nicht den Wanderer sondern Tenerezze-Kekse,
Apennin April 1999
Foto: M. Wiesinger

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