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BÄRENPLÄTZE

Hauptsächlich in den Sommermonaten der Jahre 2007, 2008, 2009, 2011 und 2012 war ich ab Zughaltestelle Pflach/Tirol bis Kufstein im Gebiet der vermuteten Pfade des Bären "Bruno" unterwegs. Da ich keine Schafe erbeutete und mich artig auf Hütten verpflegte gab es keine Schwierigkeiten. Auch wer vielbeschilderten Wanderwegen folgt kann dort vor allem morgens und abends eine Vielzahl an Rehen, Gämsen und Steinböcken beobachten. Rothirsche halten sich bedeckt. Auch ein Mufflon (eine Wildschafart) ist selten zu beobachten. Nach einer kühlen, sternenklaren Biwak-Nacht kann es vorkommen, dass man nicht nur von der aufgehenden, wVrmenden Sonne geweckt wird, sondern auch von Bodenerschütterungen durch eine neugierige, in kleinen Kreisen um den Schläfer galoppierende Gämse. Entpuppt sich die riesige Raupe als Mensch im Schlafsack ist es vorbei mit der Zutraulichkeit.
Aus dem Karwendel kommend, in der Abenddämmerung eines Spätherbsttages 2012, rannte ich auf einem laubreichen Pfad bergab, um den Bergwald noch vor Einbruch der Nacht zu verlassen. Nach einer engen Kurve stoppte mich ein sehr lautes, röhrendes !!ROOOAAR-RO-RO-RO!! Dem Infarkt nahe starrte ich in die bernsteinfarbenen Augen eines mächtigen Tieres mit zottiger Halsmähne und einem Kopfschmuck ausladender langer Spieße. Die Erscheinung hechtete einige Sprünge hangaufwärts und wendete erstaunt. Ich setzte meinen Lauf fort. Begleitet von einem herrlich urigen Konzert weiterer Rothirsche ringsum.
Die Präsenz der Art Braunbär als bizarrer und respektloser Hüttenwandschmuck, sowie abgebildet auf verwitterter Votivtafel und als Flurbezeichnung mit dem Wortbestandteil "Bär" hat mich überrascht. Sehr erstaunt hat mich die Nähe der Flurnamen "Bärenalp", mehrmals "Bärenbad", "Bärenfalle", "Bärengrube", "Bärenheimat", "Bärenhöhle", "Bärenjoch", "Bärenklamm", "Bärenkopf", "Bärenmoos", "Bärenstatt", "Bärental", "Bärenwand" und "Bärenwiese" zu Koordinaten von sicheren Nachweisen des Bären "Bruno" im Jahr 2006. Das Landschaftsschutzgebiet "Bärenkopf" am Achensee wurde von "Bruno" während seiner Wanderung mindestens zweimal passiert. Zwischen der Benennung der "Bären-Orte" in Tirol sowie in Bayern und dem aktuellen Auftreten von Orso Bruno liegen einige Jahrhunderte. Vergleicht man diese Gebiete mit einer Karte oder von hochgelegenem Steig erkennt man Gemeinsamkeiten der uralten Bärenwechsel, die der Mensch seit Besiedlungsbeginn mit Dörfern und Verkehrswegen zerschnitten hat. Manche Täler erscheinen auch heute noch als Streifgebiet großer Fleischfresser geeignet - wenn wir das wollen und viele Landbesitzer sowie Pächter dies zulassen.

Michel Gengler

Votivtafel
 



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